Rollstuhlfahrer Anzahl Statistik Tabelle: Personen auf Rollstuhl (aG) & Gehhilfen angewiesen 2026

Wie viele Menschen in Deutschland sind auf einen Rollstuhl angewiesen? Eine eindeutige amtliche Gesamtzahl gibt es auch 2026 nicht. Das Statistische Bundesamt erfasst zwar regelmäßig die Zahl der schwerbehinderten Menschen und deren Merkmale, veröffentlicht aber keine bundesweite Statistik, aus der sich unmittelbar die Zahl aller Rollstuhlnutzerinnen und Rollstuhlnutzer ablesen lässt. (Destatis)

Für die Einordnung stehen deshalb mehrere unterschiedliche Datenquellen zur Verfügung. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Rollstuhlnutzung, Gehhilfen und dem Merkzeichen aG. Diese Begriffe sind statistisch und rechtlich nicht gleichbedeutend.

Rollstuhlfahrer in Deutschland: Statistik-Tabelle 2026

Kennzahl Anzahl bzw. Anteil Einordnung
Schwerbehinderte Menschen insgesamt, Ende 2025 7.835.175 Amtliche Destatis-Statistik
Anteil Schwerbehinderte an Bevölkerung 9,4 % Ende 2025
Personen mit dauerhaft notwendiger Rollstuhlnutzung keine amtliche Gesamtzahl Deutschlandweit nicht separat erfasst
Schätzung ständiger Rollstuhlnutzer ca. 470.000 Angabe des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands, veröffentlicht durch BGW
Personen, die teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind ca. 500.000 DRS-Angabe
Merkzeichen aG keine aktuelle bundesweite Gesamtzahl veröffentlicht „außergewöhnliche Gehbehinderung“
Personen mit Mobilitätseinschränkung ab 14 Jahren 14 % MiD 2023
Davon auf Rollator, Rollstuhl, Elektromobil oder Lang-/Taststock bzw. Blindenhund angewiesen 27 % der Personen mit Mobilitätseinschränkung Mehrfachnennungen möglich

Die Schätzung von rund 470.000 ständigen Rollstuhlnutzerinnen und -nutzern stammt aus Angaben des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands. Zusätzlich wurden etwa 500.000 Menschen genannt, die teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Diese Werte sind jedoch keine aktuelle amtliche Vollerhebung. (BGW Online)

Warum gibt es keine exakte Rollstuhlfahrer-Statistik?

Die amtliche Statistik der schwerbehinderten Menschen konzentriert sich auf den Grad der Behinderung, Alter, Geschlecht, Ursache und Art der schwersten Behinderung. Eine bundesweit vollständige Zahl aller Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, wird dort nicht ausgewiesen.

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages stellte ebenfalls fest, dass keine offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Anzahl der Personen vorliegen, die in Deutschland auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Damals wurden offene Quellen mit einer Größenordnung von etwa 1,5 Millionen Rollstuhlfahrern genannt. (Deutscher Bundestag)

Diese ältere Schätzung sollte allerdings nicht mit der Zahl der ständigen Rollstuhlnutzer gleichgesetzt werden. Je nach Definition können beispielsweise Menschen berücksichtigt werden, die einen Rollstuhl dauerhaft, überwiegend, gelegentlich oder nur für längere Strecken verwenden.

Was bedeutet das Merkzeichen aG?

Das Merkzeichen aG steht für außergewöhnliche Gehbehinderung. Es ist deshalb nicht einfach eine statistische Bezeichnung für „Rollstuhlfahrer“.

Nach § 229 Abs. 3 SGB IX liegt eine außergewöhnliche Gehbehinderung bei einer erheblichen mobilitätsbezogenen Teilhabebeeinträchtigung vor. Voraussetzung ist unter anderem ein GdB von mindestens 80. Menschen müssen sich aufgrund ihrer Behinderung außerhalb ihres Kraftfahrzeugs dauerhaft nur mit fremder Hilfe oder mit großer Anstrengung bewegen können. Dazu gehören insbesondere Personen, die medizinisch dauerhaft auch für sehr kurze Entfernungen auf einen Rollstuhl angewiesen sind. (Gesetze im Internet)

Das bedeutet umgekehrt: Nicht jeder Rollstuhlfahrer muss automatisch das Merkzeichen aG besitzen. Gleichzeitig können die Voraussetzungen für aG auch bei Menschen vorliegen, die nicht ständig einen Rollstuhl benutzen.

§ 229 SGB IX – außergewöhnliche Gehbehinderung

Rollstuhl und Gehhilfen: Was wird statistisch erfasst?

Eine Mobilitätseinschränkung kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Neben dem Rollstuhl spielen beispielsweise Rollatoren, Gehstöcke, Elektromobile oder andere Mobilitätshilfen eine Rolle.

Die Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ liefert hierzu interessante bevölkerungsbezogene Daten. Bei Personen ab 14 Jahren gaben 14 % an, eine Mobilitätseinschränkung zu haben. Von diesen Personen waren wiederum 27 % auf mindestens eines der erfragten Hilfsmittel beziehungsweise Hilfsmittelgruppen angewiesen. Dazu gehörten Rollator, Rollstuhl, Elektromobil sowie Lang- oder Taststock beziehungsweise Blindenhund. (Mobilität in Deutschland)

Altersgruppe Mobilitätseinschränkung Davon mit genannten Mobilitätshilfen
18–29 Jahre 4 % 13 %
30–39 Jahre 4 % 8 %
40–49 Jahre 5 % 9 %
50–59 Jahre 10 % 9 %
60–69 Jahre 18 % 14 %
70–79 Jahre 26 % 25 %
80 Jahre und älter 54 % 52 %
Alle ab 14 Jahren 14 % 27 %

Die letzte Spalte darf nicht als Rollstuhlquote interpretiert werden. Sie umfasst mehrere Hilfsmittel und erlaubt wegen möglicher Mehrfachnennungen keine einfache Addition zu einer Gesamtzahl von Rollstuhlfahrern. (Mobilität in Deutschland)

Wie viele Menschen sind auf Gehhilfen angewiesen?

Eine bundesweit einheitliche aktuelle Zahl für alle Personen, die auf Gehstöcke, Rollatoren oder andere Gehhilfen angewiesen sind, lässt sich ebenfalls nicht aus der Schwerbehindertenstatistik ablesen.

Die Mobilität-in-Deutschland-Erhebung ist für diese Fragestellung aussagekräftiger, weil sie nicht ausschließlich Menschen mit Schwerbehindertenausweis betrachtet. Sie zeigt gleichzeitig, dass Mobilitätseinschränkungen mit zunehmendem Alter deutlich häufiger auftreten. Bei Menschen ab 80 Jahren berichteten 54 % über eine Mobilitätseinschränkung. (Mobilität in Deutschland)

Damit wird deutlich, warum die Zahl der Menschen mit Mobilitätshilfen wesentlich größer sein kann als die Zahl der Menschen mit dem Merkzeichen aG.

Schwerbehinderte Menschen als statistischer Bezugswert

Ende 2025 lebten in Deutschland 7.835.175 schwerbehinderte Menschen. Das entsprach 9,4 % der Gesamtbevölkerung. Die Erhebung wird von Destatis alle zwei Jahre durchgeführt. (Destatis)

Jahr Schwerbehinderte Menschen
2019 7.902.960
2021 7.795.340
2023 7.862.325
2025 7.835.175

Diese Zahlen zeigen die Größenordnung der Bevölkerung mit anerkannter Schwerbehinderung, sagen aber nicht, wie viele dieser Menschen einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe verwenden. (GENESIS-Online)

Schwerbehinderung bedeutet nicht automatisch Rollstuhlnutzung

Eine weitere wichtige Unterscheidung betrifft die Art der Behinderung. 2025 hatten laut Destatis 57 % der schwerbehinderten Menschen eine körperliche Behinderung. Bei 27 % waren innere Organe beziehungsweise Organsysteme betroffen, bei 10 % Arme und/oder Beine und bei weiteren 9 % Wirbelsäule und Rumpf. (Destatis)

Aus diesen Angaben lässt sich jedoch nicht ableiten, wie viele Personen tatsächlich einen Rollstuhl verwenden. Beispielsweise können Menschen mit Einschränkungen an Beinen oder Wirbelsäule unterschiedliche Mobilitätshilfen nutzen oder ohne Rollstuhl mobil sein.

Merkzeichen aG und Rollstuhl im Vergleich

Begriff Bedeutung Gleichbedeutend mit Rollstuhlnutzung?
Rollstuhlnutzer Person nutzt einen Rollstuhl als Mobilitätshilfe Nein, keine einheitliche amtliche Definition
dauerhafter Rollstuhlbedarf Rollstuhl wird dauerhaft benötigt Kann mit aG zusammenfallen
Merkzeichen aG außergewöhnliche Gehbehinderung Nein
Merkzeichen G erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr Nein
Rollator Gehhilfe zur Unterstützung beim Gehen Nein
Elektromobil Elektrische Mobilitätshilfe Nein
GdB 50 oder höher Schwerbehinderteneigenschaft Nein

Das Bundesportal führt aG als eines der möglichen Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis. Die Feststellung eines Merkzeichens erfolgt zusätzlich zur Feststellung des GdB. (Bundesportal)

Warum die Zahl der Rollstuhlfahrer schwer zu bestimmen ist

Ein wesentlicher Grund liegt in der unterschiedlichen Nutzung von Rollstühlen. Manche Menschen verwenden einen Rollstuhl permanent und auch innerhalb der Wohnung. Andere nutzen ihn nur außerhalb der Wohnung, für längere Strecken oder als Ergänzung zu einer anderen Gehhilfe.

Auch Menschen mit einer Gehbehinderung können zwischen Rollator, Rollstuhl und anderen Hilfsmitteln wechseln. Das führt dazu, dass eine einfache Statistik nach dem Muster „Person mit Schwerbehindertenausweis = Rollstuhlfahrer“ nicht möglich ist.

Die Versorgungsmedizin-Verordnung berücksichtigt ausdrücklich auch Menschen, die dauerhaft und ständig, einschließlich innerhalb des Wohnraums, auf einen Rollstuhl angewiesen sind. (Gesetze im Internet)

Rollstuhlfahrer Anzahl Deutschland 2026: Welche Zahl ist realistisch?

Für 2026 sollte daher zwischen verschiedenen Größenordnungen unterschieden werden:

Amtlich gesichert: Ende 2025 gab es 7,84 Millionen schwerbehinderte Menschen. Eine separate bundesweite Zahl der Rollstuhlnutzer veröffentlicht Destatis nicht. (Destatis)

Historische Schätzung ständiger Rollstuhlnutzer: Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband nannte rund 470.000 ständige Rollstuhlnutzer sowie etwa 500.000 weitere Menschen, die teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Diese Angaben wurden von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege veröffentlicht. (BGW Online)

Breitere Schätzungen: Ältere Quellen kamen teilweise auf deutlich höhere Zahlen. Dabei ist jedoch genau zu prüfen, welche Personengruppen und Formen der Rollstuhlnutzung jeweils einbezogen wurden. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages wies bereits darauf hin, dass unterschiedliche offene Schätzungen existieren. (Deutscher Bundestag)

Fazit

Die Rollstuhlfahrer-Anzahl in Deutschland 2026 lässt sich nicht mit einer einzigen amtlichen Zahl beantworten. Die aktuellste Schwerbehindertenstatistik weist für Ende 2025 7.835.175 schwerbehinderte Menschen aus, erfasst aber nicht separat alle Rollstuhlnutzer.

Eine häufig zitierte Angabe des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands liegt bei etwa 470.000 ständigen Rollstuhlnutzerinnen und -nutzern sowie weiteren rund 500.000 Personen mit teilweise notwendiger Rollstuhlnutzung. Diese Werte sind als Schätzungen beziehungsweise Verbandsangaben einzuordnen und nicht als aktuelle amtliche Vollerhebung. (BGW Online)

Besonders wichtig ist außerdem die Abgrenzung des Merkzeichens aG: Es bezeichnet eine außergewöhnliche Gehbehinderung und ist nicht identisch mit dem Begriff Rollstuhlfahrer. Nach dem SGB IX können insbesondere Menschen darunterfallen, die dauerhaft auch für sehr kurze Strecken medizinisch auf einen Rollstuhl angewiesen sind. (Gesetze im Internet)

Quellen:

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