Angeboren vs. Krankheitsbedingt: Statistiken zu den Ursachen von Behinderungen in Deutschland 2026

Die Frage, wodurch Behinderungen in Deutschland entstehen, wird häufig mit angeborenen Erkrankungen, Unfällen oder schweren Krankheiten in Verbindung gebracht. Die aktuelle Statistik des Statistischen Bundesamtes zeigt jedoch ein eindeutiges Bild: Bei Menschen mit einer amtlich festgestellten Schwerbehinderung ist eine Krankheit mit großem Abstand die häufigste Ursache.

Zum Jahresende 2025 lebten in Deutschland gut 7,8 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Das entsprach 9,4 Prozent der Bevölkerung. Als schwerbehindert gelten dabei Menschen, bei denen ein Grad der Behinderung von mindestens 50 festgestellt wurde und die einen entsprechenden Schwerbehindertenausweis besitzen.

Die wichtigsten Ursachen von Schwerbehinderungen 2026

Die Statistik von Destatis unterscheidet verschiedene Ursachen der schwersten Behinderung. Für das Jahr 2025 ergibt sich folgende Verteilung:

Ursache der Behinderung Anteil 2025 Gerundete Zahl
Krankheit gut 91 % rund 7,1 Mio.
Angeboren bzw. im 1. Lebensjahr 3 % rund 0,25 Mio.
Unfall oder Berufskrankheit gut 1 % rund 0,10 Mio.
Sonstige Ursachen gut 4 % rund 0,3 Mio.

Damit sind mehr als neun von zehn Schwerbehinderungen krankheitsbedingt. Angeborene Behinderungen beziehungsweise Behinderungen, die bereits im ersten Lebensjahr auftraten, machen dagegen lediglich etwa 3 Prozent aus.

Die Werte sind gerundet, weshalb sich die einzelnen Prozentangaben nicht exakt zu 100 Prozent addieren.

Krankheit ist mit Abstand die häufigste Ursache

Die aktuelle Statistik macht deutlich, dass Behinderung in Deutschland sehr häufig erst im Laufe des Lebens entsteht. Chronische Erkrankungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen der inneren Organe, neurologische Erkrankungen sowie andere langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen können dazu führen, dass dauerhaft Einschränkungen entstehen.

Dabei ist wichtig, zwischen einer Erkrankung und einer Behinderung zu unterscheiden. Nicht jede Krankheit führt automatisch zu einer Behinderung. Für die amtliche Anerkennung ist entscheidend, wie stark und wie dauerhaft sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auswirkt.

Dass Krankheiten die Statistik dominieren, hängt auch mit der Altersstruktur der schwerbehinderten Bevölkerung zusammen.

Warum das Alter eine wichtige Rolle spielt

Schwerbehinderungen treten überwiegend bei älteren Menschen auf. Nach den aktuellen Zahlen waren Ende 2025 rund 34 Prozent der schwerbehinderten Menschen mindestens 75 Jahre alt. Weitere 45 Prozent gehörten zur Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren.

Damit waren rund vier Fünftel der schwerbehinderten Menschen mindestens 55 Jahre alt.

Kinder und Jugendliche sind dagegen zahlenmäßig eine vergleichsweise kleine Gruppe. Lediglich etwa 231.000 beziehungsweise 3 Prozent der schwerbehinderten Menschen waren Ende 2025 jünger als 18 Jahre.

Diese Altersverteilung erklärt einen wesentlichen Teil des hohen Anteils krankheitsbedingter Behinderungen: Viele gesundheitliche Einschränkungen entwickeln sich erst nach Jahrzehnten und stehen beispielsweise mit chronischen oder altersbedingten Erkrankungen in Zusammenhang.

Wie häufig sind angeborene Behinderungen?

Angeborene Behinderungen spielen in der Gesamtstatistik eine deutlich kleinere Rolle als krankheitsbedingte Behinderungen. Für 2025 weist Destatis einen Anteil von rund 3 Prozent aus.

Bei knapp 7,8 Millionen schwerbehinderten Menschen entspricht dies überschlägig etwa 250.000 Personen.

In diese statistische Kategorie fallen Behinderungen, die bereits bei der Geburt vorhanden waren oder im ersten Lebensjahr auftraten. Dazu können unterschiedliche genetische, chromosomale oder bereits vor beziehungsweise während der Geburt entstandene gesundheitliche Beeinträchtigungen gehören.

Die Kategorie „angeboren“ ist allerdings nicht mit einer einzelnen medizinischen Diagnose gleichzusetzen. Sie beschreibt in erster Linie den zeitlichen Ursprung der Behinderung.

Unfälle sind statistisch deutlich seltener

Auch Unfälle werden häufig als Ursache von Behinderungen wahrgenommen. In der Statistik der Schwerbehinderten machen Unfälle und Berufskrankheiten jedoch nur einen kleinen Anteil aus.

Für Ende 2025 weist Destatis gut 1 Prozent als Ursache aus. Das entspricht grob 100.000 Menschen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Statistik verschiedene Unfallarten und Berufskrankheiten umfasst. Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle oder andere Unfallereignisse können dauerhafte gesundheitliche Folgen haben und einen Grad der Behinderung begründen.

Im Vergleich zu Krankheiten ist ihre Bedeutung als Ursache einer Schwerbehinderung jedoch deutlich geringer.

Entwicklung über die vergangenen Jahre

Der hohe Anteil krankheitsbedingter Behinderungen ist kein neues Phänomen. Bereits frühere Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass Krankheiten für den überwiegenden Teil der Schwerbehinderungen verantwortlich sind.

Zum Jahresende 2023 lag der Anteil krankheitsbedingter Schwerbehinderungen bei knapp 91 Prozent. Rund 3 Prozent waren angeboren beziehungsweise im ersten Lebensjahr aufgetreten und etwa 1 Prozent ging auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurück.

Auch 2021 lag der Anteil der krankheitsbedingten Ursachen bei rund 90 Prozent.

Damit zeigt sich über mehrere Erhebungsjahre ein relativ stabiles Muster: Krankheiten sind die mit Abstand wichtigste Ursache, während angeborene Behinderungen und unfallbedingte Behinderungen deutlich kleinere Anteile ausmachen.

Welche Arten von Behinderungen sind besonders häufig?

Neben der Ursache erfasst die Statistik auch die Art der schwersten Behinderung. Ende 2025 hatten 57 Prozent der schwerbehinderten Menschen eine körperliche Behinderung.

Besonders häufig waren Beeinträchtigungen der inneren Organe beziehungsweise Organsysteme. Sie machten 27 Prozent der Fälle aus. Weitere 10 Prozent hatten Einschränkungen an Armen oder Beinen, während bei 9 Prozent die Wirbelsäule oder der Rumpf betroffen waren.

Daneben spielten Blindheit und Sehbehinderungen sowie Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- und Sprachstörungen eine Rolle.

Bei insgesamt 16 Prozent lagen geistige oder seelische Behinderungen vor. Zerebrale Störungen wurden in 9 Prozent der Fälle ausgewiesen.

Angeboren oder krankheitsbedingt: Was sagt die Statistik wirklich aus?

Die Zahlen zeigen vor allem, dass Behinderung keine überwiegend angeborene Lebenssituation ist. Bei der großen Mehrheit der Menschen mit einer Schwerbehinderung entstand die maßgebliche gesundheitliche Beeinträchtigung erst im Laufe des Lebens.

Der Begriff „krankheitsbedingt“ umfasst dabei sehr unterschiedliche Krankheitsbilder. Eine Krankheit kann beispielsweise zu Einschränkungen der Beweglichkeit, der Sinneswahrnehmung, der Organfunktion oder der psychischen und geistigen Leistungsfähigkeit führen.

Gleichzeitig darf aus der Statistik nicht geschlossen werden, dass alle Behinderungen unmittelbar durch eine einzelne Krankheit verursacht werden. Bei vielen Menschen bestehen mehrere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die amtliche Statistik ordnet die schwerste Behinderung einer Hauptursachenkategorie zu.

Fazit: 2026 sind Krankheiten die wichtigste Ursache

Die aktuelle Statistik für Deutschland zeigt ein klares Verhältnis zwischen angeborenen und später erworbenen Behinderungen.

Von den gut 7,8 Millionen schwerbehinderten Menschen Ende 2025 waren gut 91 Prozent krankheitsbedingt. Nur etwa 3 Prozent hatten eine angeborene Behinderung beziehungsweise eine Behinderung, die im ersten Lebensjahr aufgetreten war. Gut 1 Prozent entfiel auf Unfälle oder Berufskrankheiten.

Damit ist die Aussage „Behinderung ist meistens angeboren“ statistisch nicht zutreffend. Vielmehr entsteht die überwiegende Zahl der Schwerbehinderungen erst im Laufe des Lebens. Die hohe Bedeutung von Krankheiten hängt dabei eng mit der Altersstruktur zusammen: Ein großer Teil der schwerbehinderten Menschen ist 55 Jahre oder älter.

Für die Diskussion über Inklusion, Pflege, medizinische Versorgung, Rehabilitation und Barrierefreiheit ist diese Entwicklung relevant. Denn Unterstützungsangebote müssen nicht nur Kinder und Menschen mit angeborenen Behinderungen berücksichtigen, sondern vor allem auch die große Zahl von Menschen, deren Behinderung durch eine im Laufe des Lebens entstandene Erkrankung verursacht wurde.

Quellen und weiterführende Informationen:

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