Inklusionsbetriebe & Werkstätten (WfbM) in Zahlen: Beschäftigte, Entlohnung & Übergangsquoten 2026

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und Inklusionsbetriebe sind wichtige Bestandteile der beruflichen Teilhabe in Deutschland. Sie bieten Beschäftigung, Qualifizierung und Unterstützung für Menschen mit Behinderungen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt besondere Unterstützung benötigen. Gleichzeitig wird zunehmend darüber diskutiert, wie mehr Übergänge in reguläre Beschäftigung gelingen können.

Wie viele Menschen arbeiten in Werkstätten? Wie hoch ist das durchschnittliche Werkstattentgelt? Und wie häufig gelingt tatsächlich der Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt? Die verfügbaren Statistiken zeigen für 2026 ein differenziertes Bild.

Wie viele Menschen arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen?

Nach den jüngsten von der Bundesregierung veröffentlichten Zahlen waren im Jahr 2023 283.581 Menschen im Arbeitsbereich der WfbM beschäftigt. Zum Vergleich: 2014 waren es 278.591 und 2019 mit 294.500 Beschäftigten der bisherige Höchststand innerhalb dieser Zeitreihe. Deutscher Bundestag

Damit ist die Zahl der Beschäftigten nach dem Höchststand von 2019 wieder zurückgegangen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) spricht für 2026 von mehr als 300.000 Menschen, die über ihre Mitgliedseinrichtungen an rund 3.000 Standorten Möglichkeiten zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten. BAG WfbM

Die unterschiedlichen Angaben erklären sich unter anderem dadurch, dass verschiedene statistische Abgrenzungen verwendet werden. Der Arbeitsbereich einer WfbM ist zudem nur ein Teil des gesamten Werkstattangebots.

Was ist eine WfbM?

Eine Werkstatt für behinderte Menschen ist nicht einfach ein gewöhnlicher Betrieb mit besonders geschützten Arbeitsplätzen. Sie ist eine Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben.

Das Angebot umfasst unter anderem:

  • Eingangsverfahren
  • Berufsbildungsbereich
  • Arbeitsbereich
  • berufliche Qualifizierung
  • persönliche Förderung
  • ausgelagerte beziehungsweise betriebsintegrierte Arbeitsplätze
  • Unterstützung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales können Werkstattbeschäftigte auch auf ausgelagerten Arbeitsplätzen in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes tätig sein. Diese Plätze können sowohl auf einen späteren Übergang vorbereiten als auch dauerhaft bestehen. BMAS

Werkstattentgelt: Wie viel verdienen Beschäftigte?

Ein zentraler Kritikpunkt am deutschen Werkstattsystem ist die vergleichsweise geringe Höhe des Arbeitsentgelts.

Nach den aktuell veröffentlichten Angaben lag das durchschnittliche monatliche Arbeitsentgelt 2023 bei 232 Euro. Deutscher Bundestag

Die BAG WfbM nennt für 2024 einen Durchschnitt von 233 Euro monatlich. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass das tatsächliche Entgelt zwischen einzelnen Beschäftigten und Werkstätten erheblich variieren kann. BAG WfbM

Das Werkstattentgelt ist dabei nicht mit einem normalen Bruttolohn eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gleichzusetzen.

Wie setzt sich das Werkstattentgelt zusammen?

Das Entgelt besteht grundsätzlich aus einem Grundbetrag und einem Steigerungsbetrag. Der Steigerungsbetrag orientiert sich unter anderem an Arbeitsmenge und Arbeitsqualität.

Zusätzlich kann das sogenannte Arbeitsförderungsgeld hinzukommen. Nach Angaben der BAG WfbM beträgt dieses derzeit 52 Euro monatlich, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. BAG WfbM

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rentenversicherung. Für Werkstattbeschäftigte gelten besondere Regelungen zur Rentenversicherung, durch die die spätere Rentenanwartschaft gegenüber dem tatsächlich niedrigen Werkstattentgelt aufgewertet wird.

Das System ist damit komplexer, als ein Blick auf den monatlichen Durchschnittsbetrag von rund 233 Euro zunächst vermuten lässt.

Zahlen zum Werkstattentgelt im Überblick

Kennzahl Wert
Beschäftigte im Arbeitsbereich 2023 283.581
Durchschnittliches Entgelt 2023 232 € monatlich
Durchschnittliches Entgelt 2024 laut BAG WfbM 233 € monatlich
Arbeitsförderungsgeld bis zu 52 € monatlich unter Voraussetzungen
Grundbetrag laut BAG WfbM mindestens 133 €
Anteil des Arbeitsergebnisses für Entgelte mindestens 70 %

Die gesetzliche beziehungsweise organisatorische Ausgestaltung bedeutet allerdings nicht, dass jeder Beschäftigte tatsächlich den gleichen Betrag erhält.

Wie hoch ist die Übergangsquote auf den allgemeinen Arbeitsmarkt?

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Bewertung von WfbM ist die Frage, wie viele Menschen nach einer Werkstattmaßnahme tatsächlich einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt finden.

Hier zeigt sich seit Jahren ein Problem: Der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ist relativ selten.

Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass sich der Übergang statistisch nur näherungsweise bestimmen lässt. Bei Personen, die das Eingangsverfahren oder den Berufsbildungsbereich durchlaufen haben, wird beispielsweise untersucht, ob anschließend eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen wird und ob es sich dabei um eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber handelt. Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Eine bundesweit einheitliche, aktuelle Übergangsquote für alle Werkstattbeschäftigten lässt sich deshalb nicht einfach aus einer einzigen Statistik ablesen.

Die BAG WfbM bezeichnet die Übergangsquote 2026 selbst als sehr niedrig. BAG WfbM

Warum sind Übergänge so schwierig?

Der Übergang aus einer WfbM in einen regulären Betrieb hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die individuellen Fähigkeiten und Wünsche des Beschäftigten, die Anforderungen des Arbeitsplatzes, die Unterstützung durch Fachdienste und die Bereitschaft des Arbeitgebers.

Hinzu kommt, dass Menschen, die im Arbeitsbereich einer WfbM beschäftigt sind, häufig einen erheblichen Unterstützungsbedarf haben.

Deshalb können klassische Bewerbungs- und Einstellungsverfahren für diese Personengruppe eine besondere Hürde darstellen.

Ausgelagerte Arbeitsplätze, Praktika, Jobcoaching und das Budget für Arbeit sollen diese Übergänge erleichtern.

Inklusionsbetriebe als Brücke zum regulären Arbeitsmarkt

Eine besondere Rolle spielen Inklusionsbetriebe. Sie beschäftigen Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit Menschen ohne Behinderungen und sind wirtschaftlich am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig.

Damit unterscheiden sie sich von WfbM: Beschäftigung in einem Inklusionsbetrieb ist grundsätzlich reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Inklusionsbetriebe können beispielsweise in der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Produktion, im Garten- und Landschaftsbau, in der Gebäudereinigung oder in anderen Dienstleistungen tätig sein.

Sie verbinden wirtschaftliche Tätigkeit mit einem besonderen Beschäftigungsauftrag und können dadurch für Menschen mit Behinderungen eine wichtige Alternative zwischen Werkstatt und klassischem Arbeitsmarkt darstellen.

WfbM und Inklusionsbetriebe im Vergleich

Merkmal WfbM Inklusionsbetrieb
Hauptziel Teilhabe und berufliche Rehabilitation Reguläre Beschäftigung mit besonderer Unterstützung
Beschäftigungsstatus Besonderes arbeitnehmerähnliches Rechtsverhältnis Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Entlohnung Werkstattentgelt Regulärer Arbeitslohn
Arbeitsmarkt Geschützter bzw. rehabilitativer Bereich Allgemeiner Arbeitsmarkt
Unterstützung Umfangreiche individuelle Unterstützung Unterstützende Leistungen und Nachteilsausgleiche
Übergang in reguläre Arbeit Möglich, aber selten Beschäftigung bereits im regulären Arbeitsmarkt

Budget für Arbeit soll Übergänge erleichtern

Das Budget für Arbeit ist ein Instrument, mit dem Menschen, die grundsätzlich die Voraussetzungen für eine Beschäftigung in einer WfbM erfüllen, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt werden können.

Dazu gehören insbesondere Leistungen zur Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz sowie ein Lohnkostenzuschuss für den Arbeitgeber.

Damit soll eine Alternative zur Beschäftigung in einer Werkstatt geschaffen werden. LAG – WfbM

Auch das Bundesteilhabegesetz hat das Budget für Arbeit sowie weitere Instrumente zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben eingeführt beziehungsweise ausgebaut. Das BMAS untersucht die Umsetzung dieser Instrumente im Rahmen seiner Finanzuntersuchungen zum BTHG. BMAS

Warum die Übergangsquote nicht die einzige Kennzahl ist

Bei der Bewertung von Werkstätten sollte die Übergangsquote nicht isoliert betrachtet werden. Nicht jeder Mensch, der in einer WfbM arbeitet, strebt einen Wechsel in ein reguläres Arbeitsverhältnis an oder kann dies unter den vorhandenen Rahmenbedingungen realisieren.

Für viele Beschäftigte stehen auch soziale Teilhabe, Tagesstruktur, berufliche Bildung, persönliche Entwicklung und eine sinnvolle Tätigkeit im Vordergrund.

Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit eines freiwilligen Wechsels auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ein wichtiges Ziel der Inklusionspolitik.

Entwicklung 2026: Mehr Fokus auf Entlohnung und Inklusion

Im Jahr 2026 steht insbesondere die Entlohnung der Werkstattbeschäftigten weiterhin im Mittelpunkt der politischen Diskussion.

Die BAG WfbM fordert eine grundlegende Verbesserung der Einkommenssituation und verweist darauf, dass für mehr als 300.000 Menschen eine nachhaltige Weiterentwicklung des Entgeltsystems erforderlich sei. BAG WfbM

Parallel gewinnt die Verbindung zwischen Werkstätten und Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes an Bedeutung. Aktionen wie der bundesweite Schichtwechsel zeigen, wie Kontakte zwischen Werkstattbeschäftigten und regulären Beschäftigten geschaffen werden können. 2026 beteiligten sich daran rund 400 Werkstätten und etwa 5.000 Tauschpartner. BAG WfbM

Fazit: Viele Beschäftigte, niedrige Entgelte und wenige Übergänge

Die Zahlen für 2026 zeigen, dass WfbM weiterhin ein bedeutender Bestandteil der beruflichen Teilhabe in Deutschland sind. Im Arbeitsbereich der Werkstätten waren zuletzt rund 283.600 Menschen erfasst. Das durchschnittliche Werkstattentgelt lag 2023 bei 232 Euro und 2024 laut BAG WfbM bei 233 Euro im Monat.

Demgegenüber ist der Übergang in reguläre Beschäftigung weiterhin vergleichsweise selten. Genau hier setzen Inklusionsbetriebe, ausgelagerte Arbeitsplätze, das Budget für Arbeit und andere Unterstützungsangebote an.

Die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre besteht daher in zwei Richtungen: einerseits die finanzielle Situation der Werkstattbeschäftigten zu verbessern und andererseits Menschen, die dies wünschen und ermöglichen können, stärker beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Quellen und weiterführende Informationen

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