Die richtigen Maße sind entscheidend, damit ein Rollstuhl sicher, bequem und möglichst selbstständig genutzt werden kann. Eine zu große Sitzbreite kann die Sitzposition verschlechtern, während eine zu kleine Sitzfläche Druckstellen verursachen kann. Auch Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenlehnenhöhe und Unterschenkellänge müssen zur jeweiligen Person und zum vorgesehenen Rollstuhl passen.
REHADAT weist bei der Rollstuhlversorgung ausdrücklich darauf hin, dass unter anderem Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenlehnenhöhe und Unterschenkellänge individuell ermittelt werden sollten.
Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine Steuer- oder Rechtsberatung. Der Artikel wurde mit großer Sorgfalt recherchiert. Dennoch sind alle Angaben, insbesondere zu Kosten oder Preisen ohne Gewähr und können sich jederzeit ändern. Der Artikel wurde am 13.09.2026 veröffentlicht und zuletzt am 13.09.2026 editiert.
Rollstuhl Maße Tabelle 2026
Die folgende Tabelle dient als Orientierung. Die tatsächlich geeigneten Maße hängen von Körperbau, Sitzhaltung, Beweglichkeit, Rollstuhltyp und individuellem Unterstützungsbedarf ab.
| Maß | Typischer Orientierungsbereich | Bedeutung |
|---|---|---|
| Sitzbreite | ca. 36–50 cm | Platz zwischen den Armlehnen bzw. seitliche Sitzfläche |
| Sitztiefe | ca. 40–50 cm | Abstand von der Rückenlehne zur vorderen Sitzkante |
| Sitzhöhe | ca. 45–52 cm | Höhe der Sitzfläche über dem Boden |
| Rückenhöhe | ca. 35–50 cm | Höhe der Rückenlehne, abhängig vom Modell |
| Unterschenkellänge | individuell messen | Abstand Sitzfläche bis Fußauflage |
| Gesamtbreite | häufig ca. 55–70 cm | wichtig für Türen und enge Durchgänge |
| Gesamtlänge | häufig ca. 90–120 cm | relevant für Wendeflächen und Transport |
| Gesamtgewicht | modellabhängig | wichtig für Transport und Verladung |
Bei modernen Elektrorollstühlen können die möglichen Einstellbereiche deutlich größer sein. REHADAT führt beispielsweise Modelle mit Sitzbreiten von 38 bis 65 cm und Sitztiefen von etwa 40 bis 56 cm auf.
Sitzbreite beim Rollstuhl richtig messen
Die Sitzbreite gehört zu den wichtigsten Maßen. Sie bestimmt, wie viel Platz der Körper seitlich auf der Sitzfläche hat.
Gemessen wird grundsätzlich die erforderliche Breite im Sitzen. Dabei sollte nicht einfach die Breite des Beckens als einzige Grundlage verwendet werden. Kleidung, Sitzkissen, Armlehnen und die gewünschte Sitzposition können ebenfalls eine Rolle spielen.
Eine zu schmale Sitzfläche kann unangenehmen Druck an Hüfte und Oberschenkeln verursachen. Ist sie dagegen deutlich zu breit, kann die seitliche Stabilität schlechter sein und das aktive Antreiben eines manuellen Rollstuhls erschwert werden.
Faustregel für die Sitzbreite
Als grobe Orientierung kann die breiteste Stelle des Beckens beziehungsweise der Oberschenkel im Sitzen gemessen werden. Hinzu kommt ein kleiner Bewegungsspielraum. Wie groß dieser ausfallen sollte, hängt unter anderem von Kleidung, Sitzhaltung und Rollstuhlversorgung ab.
Bei einem individuell angepassten Aktivrollstuhl sollte die endgültige Sitzbreite deshalb nicht allein nach einer allgemeinen Faustformel ausgewählt werden.
Sitztiefe richtig messen
Bei der Sitztiefe geht es um den Abstand zwischen Rückenbereich und vorderer Sitzkante.
Für die Messung sitzt die Person möglichst aufrecht auf einer festen Unterlage. Gemessen wird vom Rücken beziehungsweise der gewünschten Kontaktstelle bis zur Vorderkante des Sitzbereichs.
Die Sitzfläche sollte die Oberschenkel ausreichend unterstützen. Gleichzeitig darf die vordere Sitzkante nicht unangenehm in die Kniekehlen drücken.
Eine zu große Sitztiefe kann dazu führen, dass die Person nicht optimal an der Rückenlehne sitzt. Eine zu geringe Sitztiefe reduziert dagegen die Unterstützung der Oberschenkel.
Rückenhöhe beim Rollstuhl bestimmen
Die optimale Rückenlehnenhöhe hängt stärker vom Rollstuhltyp und der gewünschten Sitzposition ab als viele andere Maße.
Bei einem klassischen Standardrollstuhl wird häufig eine höhere Rückenlehne verwendet. Bei einem aktiven Rollstuhl kann dagegen eine niedrigere Rückenlehne sinnvoll sein, damit die Bewegungsfreiheit von Schultern und Armen erhalten bleibt.
Bei Rollstühlen mit zusätzlicher Kopfstütze muss außerdem zwischen der eigentlichen Rückenhöhe und der Gesamthöhe einschließlich Kopfstütze unterschieden werden.
REHADAT zeigt, dass die Rückenhöhen verschiedener Modelle beispielsweise Bereiche von rund 45 bis 64 cm abdecken können.
Sitzhöhe des Rollstuhls
Die Sitzhöhe beeinflusst unter anderem, wie leicht die Person in den Rollstuhl ein- und aussteigen kann und wie gut sich ein manueller Rollstuhl antreiben lässt.
Für die Auswahl spielen beispielsweise folgende Faktoren eine Rolle:
- Körpergröße
- Länge der Arme
- Beinlänge
- Antriebstechnik
- Sitzkissen
- Fußposition
- gewünschte Sitzhaltung
- Art des Rollstuhls
Bei einem Aktivrollstuhl wird die Sitzhöhe häufig sehr individuell abgestimmt. Bei einem Elektrorollstuhl können dagegen andere konstruktive Anforderungen im Vordergrund stehen.
Unterschenkellänge messen
Auch die Unterschenkellänge sollte nicht vergessen werden. Sie beeinflusst die Position der Fußstützen und damit die gesamte Sitzhaltung.
Gemessen wird die Strecke von der Sitzfläche beziehungsweise dem Sitzkissen bis zur Unterseite des Fußes. Bei der praktischen Anpassung muss berücksichtigt werden, ob ein Sitzkissen verwendet wird.
Die Fußstützen sollten so eingestellt sein, dass die Füße ausreichend unterstützt werden und die Knie- und Hüftposition zur Sitzhaltung passt.
Rollstuhl Maße nach Modell
Nicht jeder Rollstuhl wird nach denselben Kriterien eingestellt. Ein Standardrollstuhl stellt andere Anforderungen als ein Aktivrollstuhl oder Elektrorollstuhl.
| Rollstuhltyp | Besonders wichtige Maße |
|---|---|
| Standardrollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenhöhe |
| Leichtgewichtrollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Gesamtbreite, Gewicht |
| Aktivrollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenposition |
| Elektrorollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückensystem |
| Pflegerollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Rückenhöhe, Sitzposition |
| Kinderrollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Wachstumsmöglichkeiten |
| Dusch-/Toilettenrollstuhl | Sitzbreite, Sitztiefe, Gesamtbreite, Sitzhöhe |
Bei komplexen Versorgungen reicht eine einfache Maßtabelle deshalb häufig nicht aus. REHADAT betont die Bedeutung einer individuellen Bedarfserhebung und einer anschließenden Anpassung der verstellbaren Komponenten.
Welche Rollstuhlbreite brauche ich?
Neben der Sitzbreite ist die Gesamtbreite des Rollstuhls besonders wichtig. Sie wird häufig unterschätzt.
Ein Rollstuhl kann beispielsweise eine Sitzbreite von 45 cm haben, insgesamt aber deutlich breiter sein. Armlehnen, Greifreifen, Räder und Rahmen tragen zur Gesamtbreite bei.
Vor dem Kauf sollte deshalb geprüft werden:
- Breite der Wohnungstüren
- Breite von Badezimmer- und Toilettentüren
- Flure
- Aufzüge
- Durchgänge
- Platz neben dem Bett
- Platz am Esstisch
- Wendeflächen
- Kofferraum beziehungsweise Fahrzeugrampe
Für die Alltagstauglichkeit ist also nicht nur die Frage „Welche Sitzbreite brauche ich?“ relevant, sondern auch „Passt der komplette Rollstuhl durch alle wichtigen Durchgänge?“.
Rollstuhl für kleine Personen
Bei kleineren Personen können Standardmaße zu einer ungünstigen Sitzposition führen. Besonders Sitztiefe, Sitzhöhe und Unterschenkellänge sollten sorgfältig angepasst werden.
Eine zu tiefe Sitzfläche kann beispielsweise dazu führen, dass die Person nicht ausreichend an der Rückenlehne sitzt. Bei Kindern kommt zusätzlich das Wachstum hinzu. Hier können verstellbare Systeme sinnvoll sein.
Rollstuhl für große oder kräftige Personen
Bei größeren oder kräftigeren Personen müssen häufig größere Sitzbreiten und Sitztiefen berücksichtigt werden. Auch die maximale Belastbarkeit des Rollstuhls ist wichtig.
Ein breiterer Sitz bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der gesamte Rollstuhl für die Person geeignet ist. Rahmenkonstruktion, Tragfähigkeit, Radposition und Gesamtbreite müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
REHADAT zeigt bei verschiedenen Elektrorollstühlen beispielsweise Sitzbreiten bis 65 cm und Belastbarkeiten von 140 bis 160 kg, abhängig von der jeweiligen Ausführung.
Rollstuhl richtig ausmessen: Checkliste
Vor einer Bestellung sollten mindestens folgende Werte ermittelt werden:
- Sitzbreite
- Sitztiefe
- Sitzhöhe
- Rückenlehnenhöhe
- Unterschenkellänge
- Armlehnenhöhe
- Fußstützenposition
- erforderliche Gesamtbreite
- maximales Nutzergewicht
- notwendige Sitz- und Rückenverstellung
Zusätzlich sollte das tatsächliche Einsatzgebiet berücksichtigt werden. Ein Rollstuhl für überwiegend kurze Wege in der Wohnung benötigt möglicherweise andere Eigenschaften als ein Aktivrollstuhl für die tägliche Nutzung im Außenbereich.
Häufige Fehler beim Ausmessen
Ein häufiger Fehler besteht darin, ausschließlich die Körpergröße zu berücksichtigen. Die Körpergröße allein sagt wenig darüber aus, welche Sitzbreite oder Sitztiefe tatsächlich benötigt wird.
Weitere typische Fehler sind:
- Sitzkissen bei der Messung nicht berücksichtigen
- Kleidung nicht berücksichtigen
- nur die Sitzbreite, aber nicht die Gesamtbreite messen
- Türbreiten in der Wohnung nicht kontrollieren
- Rückenhöhe pauschal nach Körpergröße auswählen
- Fußstützenposition vergessen
- Belastbarkeit des Rollstuhls nicht beachten
- Rollstuhl kaufen, ohne ihn vorher auszuprobieren
Gerade bei einer dauerhaften Versorgung sollte deshalb eine fachgerechte Anpassung erfolgen. REHADAT beschreibt als Teil einer geeigneten Rollstuhlversorgung sowohl die Ermittlung individueller Maße als auch die anschließende Anpassung des Rollstuhls.
Was ist wichtiger: Sitzbreite oder Sitztiefe?
Beide Maße sind wichtig, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen.
Die Sitzbreite bestimmt hauptsächlich den seitlichen Platz. Die Sitztiefe beeinflusst dagegen die Unterstützung der Oberschenkel und die Position des Beckens im Rollstuhl.
Eine passende Sitzbreite nützt wenig, wenn die Sitztiefe nicht zur Person passt. Deshalb sollten beide Maße gemeinsam betrachtet werden.
Fazit: Rollstuhl Maße 2026 richtig bestimmen
Die wichtigsten Rollstuhlmaße sind Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Rückenhöhe und Unterschenkellänge. Darüber hinaus sollte die Gesamtbreite des Rollstuhls geprüft werden, damit das Hilfsmittel auch tatsächlich durch Türen, Flure und andere wichtige Bereiche der Wohnung passt.
Eine allgemeine Tabelle kann nur eine erste Orientierung liefern. Die optimale Rollstuhlversorgung sollte individuell erfolgen. REHADAT empfiehlt unter anderem, Körpermaße, persönliche Eigenschaften, Lebensbedingungen sowie Wohn- und Arbeitsumfeld in die Versorgung einzubeziehen.
Besonders bei dauerhaftem Gebrauch, speziellen Sitzhaltungen, Kindern oder komplexen körperlichen Einschränkungen sollte die endgültige Auswahl deshalb gemeinsam mit einem Sanitätshaus, Reha-Fachbetrieb oder entsprechend qualifizierten Fachpersonen erfolgen.
Quellen und weiterführende Informationen
- REHADAT – Wissensreihe Rollstuhlnutzer – Informationen zur individuellen Rollstuhlversorgung und Maßermittlung.
- REHADAT-Hilfsmittel – Produktdaten und technische Maßangaben verschiedener Rollstühle.
- Bayern barrierefrei – Tipps zur Barrierefreiheit – Informationen zu barrierefreier Gestaltung und Mobilität.