Barrierefreier Wohnraum in Deutschland: Bestand, Bedarf & Mangel an rollstuhlgerechten Wohnungen 2026

Barrierefreier Wohnraum gehört 2026 zu den großen Herausforderungen der deutschen Wohnungspolitik. Während die Bevölkerung älter wird und die Zahl der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen steigt, ist ein großer Teil des vorhandenen Wohnungsbestands nicht oder nur teilweise barrierearm ausgestattet.

Besonders knapp ist Wohnraum, der tatsächlich für Menschen mit Rollstuhl geeignet ist. Dabei geht es nicht nur um einen Aufzug oder einen stufenlosen Hauseingang. Türen, Flure, Badezimmer, Bewegungsflächen und die Erreichbarkeit der Wohnung müssen ebenfalls ausreichend dimensioniert sein.

Die verfügbaren Zahlen machen deutlich, wie groß die Lücke zwischen Bedarf und Bestand inzwischen ist.

Wie viele barrierefreie Wohnungen gibt es in Deutschland?

Eine der wichtigsten Zahlen stammt aus dem Mikrozensus. Nach Angaben der Bundesfachstelle Barrierefreiheit gab es 2018 in Deutschland weniger als 2 Prozent barrierefreie, altersgerechte oder barrierereduzierte Wohnungen. Grundlage waren damals rund 37 Millionen Wohnungen. Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Das entspricht grob weniger als 740.000 Wohnungen, wobei diese Zahl nicht mit einem Bestand an vollständig rollstuhlgerechten Wohnungen gleichgesetzt werden darf.

Neuere Daten zur Wohnsituation älterer Menschen zeigen ebenfalls eine erhebliche Lücke. Die Bundesregierung ging auf Grundlage des Mikrozensus 2022 von rund 1,2 Millionen altersgerechten beziehungsweise barrierearmen Wohnungen aus. Dem stand ein wesentlich höherer Bedarf gegenüber. Deutscher Bundestag

Damit wird bereits deutlich: Die Begriffe „barrierefrei“, „barrierearm“, „altersgerecht“ und „rollstuhlgerecht“ dürfen bei der Interpretation der Statistiken nicht einfach gleichgesetzt werden.

Bedarf an barrierefreiem Wohnraum liegt deutlich höher

Besonders aussagekräftig sind die Zahlen zu Haushalten mit älteren Menschen und Mobilitätseinschränkungen.

Im Jahr 2022 lebten in Deutschland in rund 13 Millionen Haushalten Menschen ab 65 Jahren. In etwa 3,5 Millionen dieser Haushalte lebten Personen mit Mobilitätseinschränkungen. Gleichzeitig lag der Bestand an altersgerechten Wohnungen nach den damals verfügbaren Daten nur bei rund 1,2 Millionen. Deutscher Bundestag

Die Differenz zeigt, dass der Mangel nicht nur Menschen betrifft, die bereits einen Rollstuhl nutzen. Auch ältere Menschen mit Rollator, Gehstock oder anderen Mobilitätseinschränkungen benötigen häufig Wohnungen ohne Treppen, Schwellen und schwer zugängliche Badezimmer.

Aktuelle Zahlen 2026: Nur ein kleiner Teil wirklich weitgehend barrierefrei

Eine im September 2026 veröffentlichte Auswertung des Deutschen Zentrums für Altersfragen kommt zu einem besonders deutlichen Ergebnis.

Nur 5,6 Prozent der Menschen ab 65 Jahren lebten demnach in einer Wohnung, die als weitgehend barrierefrei eingestuft werden konnte. Dafür wurden unter anderem ein stufenloser Zugang zur Wohnung und zu den Zimmern, ein barrierefreier Zugang zu den Sanitärräumen sowie eine bodengleiche Dusche berücksichtigt. Deutsches Zentrum für Altersfragen

Umgekehrt bedeutet dies: 94,4 Prozent der älteren Menschen leben nicht in einer Wohnung, die diese Kriterien vollständig erfüllt.

Diese Zahl ist allerdings keine Statistik über sämtliche Wohnungen in Deutschland. Sie beschreibt die Wohnsituation der Bevölkerung ab 65 Jahren und verwendet definierte Kriterien für weitgehende Barrierefreiheit.

Rollstuhlgerechte Wohnungen sind noch einmal eine kleinere Kategorie

Eine vollständig barrierefreie Wohnung ist nicht automatisch eine uneingeschränkt rollstuhlgerechte Wohnung.

Die DIN 18040-2 unterscheidet zwischen barrierefrei nutzbaren Wohnungen und Wohnungen, die barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sind. Letztere werden innerhalb der Norm mit „R“ gekennzeichnet. Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Für Rollstuhlnutzer sind beispielsweise ausreichende Bewegungsflächen entscheidend. Eine Wohnung kann deshalb zwar stufenlos erreichbar sein, aber trotzdem für einen Rollstuhl ungeeignet sein, wenn Türen zu schmal sind, das Badezimmer keine ausreichenden Bewegungsflächen bietet oder die Küche nicht entsprechend nutzbar ist.

Genau deshalb ist die Zahl tatsächlich rollstuhlgerechter Wohnungen wesentlich schwieriger zu bestimmen als die Zahl allgemein barrierereduzierter Wohnungen.

Warum fehlen vor allem rollstuhlgerechte Wohnungen?

Der deutsche Wohnungsbestand ist überwiegend älter. Viele Gebäude wurden zu einer Zeit errichtet, in der Barrierefreiheit bei der Planung eine wesentlich geringere Rolle spielte.

Besonders problematisch sind:

  • Mehrfamilienhäuser ohne Aufzug
  • Wohnungen mit mehreren Stufen bis zum Hauseingang
  • schmale Wohnungstüren
  • Türschwellen
  • enge Flure
  • kleine Badezimmer
  • Badewannen statt bodengleicher Duschen
  • fehlende Bewegungsflächen
  • nicht zugängliche Balkone oder Terrassen
  • fehlende Abstellmöglichkeiten für Rollstühle und Hilfsmittel

Eine nachträgliche Anpassung ist zwar häufig möglich, aber nicht immer technisch oder wirtschaftlich einfach.

Neubau allein löst das Problem nicht

Ein Teil der politischen Diskussion konzentriert sich auf den Neubau von Wohnungen. Das ist wichtig, reicht aber allein nicht aus.

Der größte Teil des Wohnungsbestands existiert bereits. Deshalb kommt der Modernisierung und Anpassung bestehender Wohnungen eine große Bedeutung zu.

Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit verweist darauf, dass aufgrund des demografischen Wandels bereits in früheren Prognosen ein zusätzlicher Bedarf von mehr als zwei Millionen barrierefreien, barrierereduzierten und altersgerechten Wohnungen innerhalb von zehn Jahren erwartet wurde. Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Die Herausforderung besteht somit aus zwei Aufgaben: Es müssen neue barrierefreie Wohnungen entstehen und gleichzeitig vorhandene Wohnungen an veränderte Bedürfnisse angepasst werden.

Was bedeutet barrierefrei beim Wohnen?

Barrierefreiheit umfasst wesentlich mehr als einen ebenerdigen Hauseingang.

Eine barrierefrei nutzbare Wohnung sollte unter anderem so gestaltet sein, dass wichtige Bereiche ohne unnötige Hindernisse erreicht und genutzt werden können.

Dazu zählen beispielsweise:

Bereich Wichtige Anforderungen
Hauseingang stufenlos erreichbar
Aufzug ausreichend dimensioniert und erreichbar
Wohnungstür ausreichende Durchgangsbreite
Türen möglichst schwellenarm bzw. schwellenlos
Flure ausreichend breit
Badezimmer ausreichende Bewegungsflächen
Dusche bodengleich bzw. ebenerdig
Küche ausreichender Bewegungsraum
Balkon/Terrasse möglichst ohne hohe Schwelle
Abstellfläche Platz für Rollstuhl oder Rollator

Bei einer Wohnung für Rollstuhlnutzer gelten teilweise höhere Anforderungen an Bewegungsflächen und Nutzbarkeit.

Wie groß ist der Mangel 2026?

Eine einzelne, bundesweit aktuelle Zahl für „fehlende rollstuhlgerechte Wohnungen“ existiert nicht. Das liegt auch daran, dass unterschiedliche Statistiken verschiedene Definitionen verwenden.

Trotzdem lässt sich die Größenordnung des Problems anhand mehrerer Datenquellen erkennen:

Bestand: Rund 1,2 Millionen altersgerechte beziehungsweise barrierearme Wohnungen standen nach den von der Bundesregierung verwendeten Mikrozensus-Daten einem deutlich höheren Bedarf gegenüber. Deutscher Bundestag

Bedarf: Bereits ältere Studien und Analysen gingen von einem zusätzlichen Bedarf von mehr als zwei Millionen Wohnungen mit Barrierefreiheit beziehungsweise Barrierereduzierung aus. Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Ältere Menschen: Nur 5,6 Prozent der Menschen ab 65 Jahren lebten 2026 laut DZA-Auswertung in einer weitgehend barrierefreien Wohnung. Deutsches Zentrum für Altersfragen

Schwerbehinderung: Ende 2025 lebten in Deutschland gut 7,8 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. 34 Prozent waren mindestens 75 Jahre alt und weitere 45 Prozent zwischen 55 und 74 Jahre. Destatis

Diese Zahlen sind nicht addierbar, zeigen aber gemeinsam die Dimension des Problems.

Demografischer Wandel verschärft den Wohnraummangel

Der Bedarf an barrierefreien Wohnungen dürfte langfristig weiter steigen. Ein wichtiger Grund ist die Alterung der Bevölkerung.

Viele Menschen möchten auch bei zunehmendem Alter möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnung bleiben. Dafür muss die Wohnung jedoch an veränderte körperliche Voraussetzungen angepasst werden.

Ein stufenloser Zugang, ein Aufzug, ein geeignetes Badezimmer und ausreichend breite Türen können entscheidend dafür sein, ob jemand trotz eingeschränkter Mobilität selbstständig wohnen bleiben kann.

Barrierefreier Wohnraum ist deshalb nicht ausschließlich ein Thema für Menschen mit einer Schwerbehinderung. Er betrifft ebenso Senioren, Menschen mit vorübergehenden Verletzungen, Familien mit Kinderwagen und Personen mit unterschiedlichen Mobilitätseinschränkungen.

Förderprogramme für den Abbau von Barrieren

Neben dem Neubau spielt die Anpassung vorhandener Wohnungen eine wichtige Rolle. Fördermöglichkeiten gibt es sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.

Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit weist beispielsweise auf Fördermöglichkeiten zur Barrierereduzierung und zum altersgerechten Umbau hin. Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Auch die Bundesländer bieten teilweise eigene Programme an.

Ein Beispiel ist Brandenburg: Dort gilt seit dem 1. Januar 2026 eine neue Richtlinie zur Förderung des Abbaus von Barrieren bei vorhandenem Wohnraum. Gefördert werden unter anderem Türverbreiterungen, die Beseitigung von Türschwellen, Anpassungen von Küche und Bad, Rampen sowie bestimmte Aufzugslösungen. Bravors

Barrierefreier Wohnraum muss bezahlbar sein

Ein weiterer Aspekt ist die soziale Dimension. Eine Wohnung kann technisch barrierefrei sein, aber für Menschen mit Behinderung oder geringem Einkommen trotzdem nicht erreichbar sein, wenn die Miete zu hoch ist.

Deshalb geht es nicht nur darum, mehr barrierefreie Wohnungen zu bauen. Benötigt werden insbesondere bezahlbare, barrierefreie Wohnungen in unterschiedlichen Preissegmenten.

Für Menschen mit Behinderung ist außerdem die Lage wichtig. Eine barrierefreie Wohnung am Stadtrand kann wenig hilfreich sein, wenn Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Verkehrsmittel und andere Einrichtungen nicht erreichbar sind.

Barrierefreies Wohnen umfasst daher letztlich auch ein zugängliches Wohnumfeld.

Fazit: Deutschland fehlen vor allem geeignete und bezahlbare Wohnungen

Die verfügbaren Zahlen für 2026 zeigen einen erheblichen Mangel an barrierefreiem Wohnraum in Deutschland. Besonders deutlich wird dies beim Vergleich zwischen dem Bestand von rund 1,2 Millionen altersgerechten beziehungsweise barrierearmen Wohnungen und den deutlich höheren Bedarfszahlen.

Noch schwieriger ist die Situation bei Wohnungen, die tatsächlich uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sind. Für diese spezielle Kategorie gibt es keine einfache aktuelle bundesweite Bestandszahl. Die vorhandenen Daten zur allgemeinen Barrierefreiheit lassen jedoch erkennen, dass auch hier eine erhebliche Versorgungslücke besteht.

Der Handlungsbedarf dürfte angesichts der alternden Bevölkerung weiter zunehmen. Neben dem Neubau kommt deshalb dem Umbau des bestehenden Wohnungsbestands eine zentrale Bedeutung zu.

Barrierefreier Wohnraum ist 2026 nicht nur eine Frage von Inklusion, sondern zunehmend auch eine Frage des altersgerechten Wohnens, der Selbstständigkeit und der sozialen Wohnraumversorgung.

Quellen und weiterführende Informationen

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